Der Satz kommt oft: Als freier Journalist bestimmst du selbst, was du schreibst. Lukas Perntaler hat das geglaubt - bis er merkte, dass seine Auftragslage das Gegenteil zeigte.
Was Freiheit im Berufsalltag bedeutet
Selbststandigkeit bedeutet zunachst: keine feste Stelle, kein Vorgesetzter, keine Redaktionskonferenz am Montagmorgen. Was sie nicht bedeutet: keinerlei Vorgaben. Auftraggeberinnen und Auftraggeber haben Erwartungen, Formate, Zielgruppen und Tonalitaten. Wer das ignoriert, verliert Auftrage.
Die echte Freiheit liegt woanders: in der Wahl der Auftraggeber. Wer selektiv annimmt und ablehnen kann - was erst ab einer bestimmten finanziellen Stabilitat moglich ist - hat tatsachlich mehr inhaltlichen Spielraum als eine festangestellte Redakteurin in einem thematisch engen Ressort.
Wann der Mythos schadet
Problematisch wird es, wenn die Erwartung an vollstandige Selbstbestimmung die Kompromissbereitschaft untergrabt. Texte werden uberarbeitet, Themen abgelehnt, Aufhanger verandert. Das passiert in jeder Redaktion - auch bei freier Zusammenarbeit.
Lukas lernte, zwischen inhaltlicher Zusammenarbeit und unangemessener Einflussnahme zu unterscheiden. Ein Redakteur, der den Fokus eines Beitrags scharpft, ist kein Angriff auf redaktionelle Unabhangigkeit. Ein Auftraggeber, der Fakten nachtraglich verandert wissen will, ist einer.
Diese Unterscheidung - nicht die romantische Vorstellung volliger Freiheit - tragt freie Journalisten durch die ersten schwierigen Jahre.
